Buju Banton
Buju Banton, mit bürgerlichen Namen Mark Anthony Myrie (* 15. Juli 1973 in Kingston, Jamaika), wird neben Sizzla und Capleton zu den bedeutenden Stimmen der jamaikanischen Musik in den 1990er Jahren gezählt. Unter seinem Künstlernamen Buju Banton wurde er ein bekannter Reggae-Dancehall- bzw. Ragga-Sänger.
Banton wuchs als jüngstes von 15 Kindern (13 Schwestern, 1 Bruder) in einem Außenviertel von Kingston auf, dem Slum Salt Lane. Den Spitznamen Buju (in der Maroonsprache: Brotfrucht) bekam er von seiner Mutter, weil er in seiner Jugend etwas rundlich war; der Nachname Banton stammt von einem Jugendidol, dem DJ Burro Banton; nebenbei heißt “Banton” im Patois “Geschichtenerzähler”. Ein weiterer Spitzname Bantons ist Gargamel.
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Biographie
1985 bis 1991: Die Anfänge
Bereits im Alter von zwölf Jahren hatte Buju Banton unter dem Namen Lambada Man erste öffentliche Auftritte als DeeJay, der in den Dancehalls über verschiedene Aufnahmen chattet. Tonto Irie stellt ihn wenig später Robert French vor, auf dessen Label 1986 die durch ihn produzierte Debütsingle The Ruler erscheint. Im Jahr darauf, 1987, arbeit er dann zunächst mit Red Dragon und Bunny Lee, später auch mit Winston Riley und produziert auf verschiedenen Kingstoner Labels mehrere Singles.
Eine wichtige Rolle spielt dann das Zusammentreffen mit Dave Kelly, der seinerzeit Studioengineer bei Donovan Germaines Penthouse Studio war. Aus dieser Zusammenarbeit entstehen Bantons erste große Singles wie Love Me Browning und später Women Nuh Fret, Batty Rider und Bogle Dance. Mit Love Me Browning, einem Lied, das Bantons Vorliebe weißen Frauen gegenüber Ausdruck verleiht, entstand im selbstbewussten Jamaika erstmals eine kontroverse Diskussion über Bantons Texte.
1991 bis 1995: Erfolg und Kontroverse
Darauf folgte das Debütalbum Stamina Daddy (1991) und Mr. Mention, das im Jahr 1992 ebenfalls bei Penthouse erschien und in Jamaika alle Verkaufsrekorde und selbst Bob Marleys Verkaufszahlen übertraf. Der auf dem Album befindliche Tune Boom Bye Bye, in dem es heißt:
- The world is in trouble
- Anytime Buju Banton come
- Batty boy get up and run
- ah gunshot in ah head man
- Tell dem crew… it’s like
- Boom bye bye, in a batty boy head,
- Rude boy nah promote no nasty man,
- them hafi dead.
Batty Boy ist eine Ausdrucksweise der Jamaikanischen Kreolsprache (Patois), die einen homosexuellen Mann beschreibt. In Boom Bye Bye fordert Banton also die regelrechte Hinrichtung (Schuss in den Kopf) homosexueller Menschen. Auch in jüngerer Zeit, als geplante Konzerte in Deutschland bekannt wurden, kam es zu Protesten, Konzertabsagen und einer Kampagne des LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V.). Auch nach Druck seines Labels entschuldigte Banton sich nicht für diesen Text und reihte sich neben zum Beispiel Bounty Killer und Beenie Man in die Liste der Autoren homophober Lyrics ein. In Folge dessen engagierte sich Banton allerdings für die Benutzung von Kondomen. Ein entsprechender Tune findet sich mit Willy Don’t Be Silly dann auch auf dem 1993 auf Mercury veröffentlichten Longplayer Voice of Jamaica, mit dessen Erscheinen auch die Stiftung Willy ins Leben gerufen wird, die sich um HIV-positive Kinder kümmert. Bis 1995 sein nächstes Album ‘Til Shiloh erscheint, besitzt Banton bereits ein eigenes Label namens Gargamel und ein eigenes Aufnahmestudio.
1995 bis heute: Der Wandel
Nach dem Tod eines engen Freundes, der 1995 bei einer Schießerei ums Leben kam, wandelte sich Banton vom Jungkünstler mit offensiven Texten zu einem bekennenden Rastafari, der sich in seinen Liedern von Slackness- und Gunlyrics abwendet und zunehmend spirituelle und gesellschaftliche Umstände thematisiert. Diese Wandlung manifestiert sich schon im selben Jahr, in dem das Album ‘Til Shiloh mit dem den Vorfall direkt verarbeitenden Tune Murderer erscheint. Dessen ungeachtet ist Buju Banton bis heute ein Künstler mit einem weiten Spektrum, der nach wie vor noch Dancehallriddims besingt.
Ferner ist noch das Folgealbum Inna Heights erwähnenswert, das 1997 veröffentlicht wird und unter anderem eine Hommage an Bob Marley enthält. 2003 erscheint das Album Friends for Life.
Buju Banton kann sich bis heute nicht gänzlich der Kontroverse vor allem um Boom Bye Bye entziehen, da er – ungeachtet verschiedener Proteste – in Jamaika noch immer teilweise homophobe Texte singt. Außerdem wird er beschuldigt, fortgesetzt und tatkräftig in die seiner Meinung nach durch seine Religion gerechtfertigte Diskriminierung homosexueller Männer einzustimmen.[1] Da er selbst seine Beteiligung und Mitschuld an diesem Vorfall weiterhin abstreitet, dauern die Verhandlungen noch an (Oktober ‘05). Sicher ist jedoch, dass die Beschuldigungen dem Ansehen Bantons vor allem in der westlichen Welt teilweise nicht zuträglich waren und sind, obwohl er sich in Jamaika ungebrochen größter Beliebtheit erfreut. [2]
Nach vehementen Protesten u.a. deutscher Schwulen- und Lesben-Organisationen gegen seine Battyman-Tunes wurde 2004 die Hälfte der in jenem Jahr angesetzten Auftritte in Deutschland abgesagt.
2006 meldete er sich nach 2-jähriger Pause mit dem Album Too Bad zurück. Mit Too Bad findet Banton zurück zu seinen musikalischen Wurzeln: Es ist sein erstes reines Dancehall-Album seit 1993 und wurde für den Grammy unter “Bestes Reggae-Album 2007″ nominiert.
Die Bundesregierung prüfte 2008 eine Indizierung seiner Platten. [3]
Im Dezember 2009 wurde Buju Banton wegen des Verdachts des organisierten Drogenhandels in Florida verhaftet. Die US-amerikanische Bundesdrogenbehörde DEA wirft dem 36-jährigen Jamaikaner vor, Kokain im großen Stil verkaufen zu wollen. [4]
Diskografie
- 2009 – Rasta Got Soul
- 2007 – Inna Heights (10th anniversary edition)
- 2006 – Too Bad
- 2004 – Buju and Friends
- 2003 – Friends For Life
- 2002 – Want It
- 2002 – The Voice of Jamaica (Expanded)
- 2002 – The Best of Buju Banton
- 2002 – It’s All Over
- 2001 – Ultimate Collection
- 2001 – Live in Panama
- 2001 – The Early Years (90-95)
- 2000 – Unchained Spirit
- 2000 – Live at Summer Jam (kein offizieller Release)
- 2000 – Flames Of Freedom
- 2000 – Dubbing with the Banton
- 1998 – Quick
- 1997 – Inna Heights
- 1997 – Rudeboys Inna Ghetto mit Posse
- 1997 – Chanting Down The Walls Of Babylon mit Anthony B
- 1995 – ‘Til Shiloh
- 1993 – Voice Of Jamaica
- 1992 – Mr. Mention
- 1991 – Stamina Daddy
Quellen
- ↑ http://www.guardian.co.uk/arts/news/story/0,11711,1263276,00.html] (en)
- ↑ http://www.jamaicaobserver.com/news/html/20050930T230000-0500_89495_OBS_BUJU_BANTON_MOBBED_BY_FANS_OUTSIDE_COURT.asp (en)
- ↑ Laut.de: Bounty Killer u.a.: Regierung Vs. Reggae-Stars. 18. Juli 2008
- ↑ http://www.miamiherald.com/news/southflorida/story/1379547.html